Mittwoch, August 09, 2006

David Bowie: Seven Years in Tibet (aus ´Earthling`1997)


Es beginnt mit einem starren Beat, mittleres Tempo. Im Hintergrund flirren verschwommene Landschaften, wir könnten überall sein. Der wissende Musikkopf will gerade auf den experimentellen Elektronikknopf drücken, als plötzlich von rechts eine unglaublich eklige E-Gitarre erscheint. Sie erscheint nur kurz, sagt nur "hallo" und ist auch gleich wieder weg. Sie ist der italienische Kellner, den man nicht mag. Doch selbst wenn man den Kellner nicht mag bleibt man oft sitzen und wartet brav auf das Essen. Der Beat läuft stoisch weiter, ein paar Bläser bringen die Idee von Soul, ein Keyboard macht auf Fläche und der fiese Kellner schaut ab und zu um die Ecke. Sei es drum. Jemand singt. Oder sucht. So richtig klar ist das nicht.

Das ist jetzt also der große Herr Bowie, der Thin White Zampano, die Lichtgestalt, die, an der Börse gehandelte Ich AG. Was macht der da? Will er vielleicht gar nicht singen, oder zumindest heute nicht? Wenn er nicht singen will, dann soll ihn auch bitteschön niemand dazu zwingen. Er macht aber trotzdem weiter. Na gut. Irgendetwas mit Effekt liegt auf der Stimme, sollte man sowieso nicht machen.
Aber dann, aus dem Nichts, keine Ankündigung, keine Warnung: Der Refrain. Ohne Gesang. Und, Gott, das ist sagenhaft fies. Die Kellnergitarre setzt sich durch, frittiert die Feinheiten, alles ist ein großer Sonntagsbraten. Viele lange Takte, die nur da sind aber nicht bringen. Wie der einsame Typ an der Bar, der mit dem zu bunten Hemd, zu dem wir immer hinschauen müssen, ohne ihn interessant zu finden. Dann wieder der Beat und wieder ruhig und wieder der Herr Bowie. Der Song klaut mir meine Zeit. Ach, jetzt wieder Refrain, diesmal mit Stimme, ist aber leider kaum besser. Weiterhin ein Braten. Und was passiert dann? Klar, es wird wieder leiser. Ich schlafe gleich ein. Wahrscheinlich wird es gleich wieder laut, was? Bestimmt, komm, enttäusche mich bitte nicht. Jawoll! Habe es mir doch gedacht. Wahnsinn! Leise, laut, leise, laut, leise, laut, laut, laut. Was für ein geniales Konzept.

Natürlich tue ich Herrn Bowie unrecht. Die "Earthling" Cd hat auch ihre tollen Seiten. Er hat halt ein bißchen rumgespielt, hat sich hippe Drum´n´Bass Platten schicken lassen und wollte mal wieder ganz weit vorne mitmachen. Ein Breakbeat jagt eine soundtechnische Gemeinheit nach der anderen und die Kritiker nickten im Jahre ´97 wohlwollend. Jetzt allerdings, knapp zehn Jahre später, klingt das alles ziemlich gewollt und wirklich nach 1997.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Du bist aber ne coole Sau.

1:57 vorm.  

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